By Sphera’s Editorial Team | Juni 14, 2022

CO2-Neutralität

Die Versäumnis, den Klimawandel abzuschwächen, könnte Unternehmensinfrastrukturen schädigen, zu Geschäftsunterbrechungen, Schließungen und einem langsamen Wirtschaftswachstum führen. Investoren fordern zunehmend, dass Unternehmen bezüglich des Klimas Maßnahmen ergreifen. Die Investmentgruppe Climate Action 100+, die von namhaften Investoren wie BlackRock und Pimco vertreten wird, mit einem Gesamtvermögen von über 47 Billionen USD verpflichtet die Unternehmen, die sie hält, ihre Emissionen bis 2050 oder früher drastisch zu reduzieren.

Als Ergebnis dieser Entwicklung hat sich die Zahl der Organisationen, einschließlich Regierungen und private Unternehmen, die Fristen für die Erreichung von Emissionsreduzierung angekündigt haben, innerhalb eines Jahres verdoppelt. Aber wie Unternehmen ihre Ziele ankündigen, kann sehr unterschiedlich sein. Und die gebräuchlichsten Fachausdrücke, wie CO2- oder Klimaneutralität und Netto-Null, werden häufig synonym verwendet. Es gibt jedoch einen beachtlichen Unterschied.

Was ist CO2-Neutralität?

Gemäß der Definition des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC), bezieht sich die CO2-Neutralität oder die Null-CO2-Emissionen nur auf CO2-Emissionen, und zwar auf ein Gleichgewicht zwischen dem CO2-Ausstoß in die Atmosphäre und dem CO2, das aus der Atmosphäre entfernt wird.

In der tatsächlichen Geschäftspraxis verwenden Unternehmen häufig den Begriff „CO2-Neutralität“ und umfassen damit alle Treibhausgasemissionen (THG-Emissionen) bei ihren ehrgeizigen Ankündigungen zur Emissionsreduzierung.

Der Unterschied zwischen CO2-Neutralität, Netto-Null und Klimaneutralität

Während in der Praxis CO2-Neutralität, Netto-Null und Klimaneutralität austauschbar verwendet werden, gibt das IPCC eine klare Definition für jeden Fachausdruck. Netto-Null-Emissionen umfasst alle Treibhausgasemissionen, bezieht sich aber auch auf die Balance der emittierten Treibhausgase mit den entfernten Treibhausgasen innerhalb einer bestimmten Zeit. Die Klimaneutralität hingegen geht noch weiter und berücksichtigt alle menschlichen Auswirkungen, die das Klima beeinflussen.

Netto-Null vs. CO2-Neutralität vs. Klimaneutralität

Quelle: IPCC. Detaillierte Definitionen finden Sie in deren Glossar für Fachausdrücke.

Die CO2-Neutralität kann von „Netto-Null“ und „Klimaneutralität“ differenziert werden, weil sie sich oberflächlich gesehen nur auf Kohlenstoff bezieht. In der Praxis jedoch, wenn Nachhaltigkeitsexperten aufgrund von Berechnungen Behauptungen machen, beziehen sie sich häufig mit dem Begriff „CO2-Neutralität“ auf alle THGs, weil sie normalerweise Nicht-CO2-THGs rechnerisch in CO2 umwandeln.

Wenn die Nachhaltigkeitsexperten von Sphera ein Unternehmen bei der Beurteilung seines CO2-Fußabdrucks unterstützen, beziehen wir immer alle GHGs mit ein, die dann in CO2-Äquivalente gemäß allen relevanten Normen umgewandelt werden. Wir glauben, dass keine verantwortungsvolle Nachhaltigkeits-Beratung jemals nur Kohlendioxid bei der Durchführung von Beurteilungen in Bezug auf CO2-Neutralität anführen würde. Wenn also CO2-Neutralität und Netto-Null synonym verwendet werden, sagen wir lieber Netto-Null, um Verwirrung zu vermeiden.

Wie man Emissionsreduzierungsziele erreicht

Eine ernsthafte und ganzheitliche Dekarbonisierungsstrategie muss alle THG-Emissionsquellen umfassen, die mit dem Aktivitätsumfang eines Unternehmens verbunden sind – dem Produkt oder den angebotenen Dienstleistungen. Zunächst muss sie die Emissionsquellen der gesamten Wertschöpfungskette umfassen (Scope 1, 2 und 3). Zweitens muss sie realistische Zeitpläne und Reduktionsziele umfassen.

Die Science Based Targets Initiative (SBTi) – eine Partnerschaft zwischen dem Carbon Disclosure Project (CDP), dem United Nations Global Compact, dem World Resources Institute (WRI) und dem World Wildlife Fund (WWF) – gab in ihrem kürzlich veröffentlichten Aufsatz „Foundations for science-based net zero target setting in the corporate sector“ (Grundlagen für wissenschaftlich fundierte Netto-Null-Ziele im Unternehmenssektor) eine erste Empfehlung für Unternehmen, die ein Netto-Null-Emissionsziel setzen und erreichen möchten. Mit dieser Veröffentlichung legt die SBTi einen wichtigen Meilenstein bei der Entwicklung von Leitfäden für Unternehmen, wie man robuste, glaubwürdige und verifizierbare Netto-Null-Emissionsziele setzen kann.

Ein Netto-Null-Ziel basiert auf wissenschaftlich fundierten THG-Emissionsreduzierungszielen, die dabei helfen, die Emissionsreduzierung und Emissionsvermeidung einer Organisation mit der Klimawissenschaft (vor der Klimakompensation) in Bezug auf das 1,5 °C (2,7 °F) Ziel gemäß dem Pariser Abkommen abzustimmen. Aber im Vergleich zu einem wissenschaftlich fundierten THG-Emissionsreduzierungsziel hat ein Netto-Null-Ziel eine langfristige Perspektive und zwingt Unternehmen, auch Verantwortung für Emissionen zu übernehmen, die sie noch zu reduzieren haben oder die unmöglich zu eliminieren sind.

Was ist Klimakompensation?

Die meisten Netto-Null-Emissionspläne umfassen eine wichtige Komponente: Klimakompensation. Klimakompensation ist ein Prozess des Ausgleichs von CO2-Emissionen, den eine Organisation durch die Finanzierung eines Projekts zur Reduzierung von CO2-Emissionen an anderer Stelle durch andere Mittel, wie z. B. durch CO2-Bindung, durchführt.

In einer Welt, die immer noch hauptsächlich von fossilen Brennstoffen betrieben wird, ist die freiwillige Klimakompensation großer Mengen von Treibhausgasen für die Erreichung von Emissionsreduzierungszielen von entscheidender Bedeutung. Trotz der Kritik an der Klimakompensation als „Ablasshandel“ ist es ein großer erster Schritt – in einem globalen Kontext mit begrenzten CO2-Steuern – um ein größeres Bewusstsein für die Reduzierung von Emissionen zu schaffen. Wichtig ist, dass Unternehmen einer Maßnahmenhierarchie folgen, welche die Emissionsreduzierung innerhalb der Wertschöpfungskette gegenüber Kompensationsmaßnahmen priorisiert.

Die SBTi unterscheidet zwischen zwei Arten von Kompensationsmaßnahmen:

  • Ausgleich: Emissionsabbau außerhalb der Wertschöpfungskette eines Unternehmens
  • Neutralisierung: Emissionsabbau innerhalb oder außerhalb der Wertschöpfungskette

Bei dem Übergang zu Netto-Null können Unternehmen Emissionen kompensieren oder neutralisieren, die noch in die Atmosphäre freigesetzt werden, während sie in einen Zustand der Netto-Null-Emissionen übergehen. Sobald sie Netto-Null erreicht haben, können Unternehmen mit Restemissionen diese Emissionen mit einem entsprechend großen CO2-Abbau neutralisieren.

Wichtig: Achten Sie darauf, ein Kompensationsprojekt auszuwählen, bei dem die Klimakompensation echt, messbar, verifizierbar und zusätzlich sein muss. Das „Zusätzlichkeitsprinzip“ ist ein Konzept, das sicherstellt, dass ohne die Einführung des Projekts keine Emissionsreduzierungen passieren würden.

Unsere Berater können Sie auf Ihrem Weg zur Dekarbonisierung bei der Erreichung eines Netto-Null-Ziels unterstützen durch:

  • Quantifizierung der CO2-Emissionen in Ihrer gesamten Wertschöpfungskette
  • Entwicklung einer Netto-Null-Strategie
  • Setzen eines wissenschaftlichen Ziels (Science Based Target, SBT) und darüber hinaus
  • Überwachen Ihres Fortschritts

Weitere Ressourcen zur Klimaneutralität und Netto-Null

Das fehlende Stück des Netto-Null-Puzzles
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Netto-Null-Emissionsziele und Bekanntmachungen zur CO2-Neutralität

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Carbon Neutrality Announcements and Implications for the Supply Chain (Ankündigungen zur Klimaneutralität und Auswirkungen auf die Supply Chain)

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